International Church Reform network

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CHARTA DER GRUNDRECHTE IN DER KIRCHE

„Wenn die Kirche Zeugnis von der Gerechtigkeit ablegen soll, dann weiß sie sehr wohl, dass jemand, der öffentlich von der Gerechtigkeit zu sprechen wagt, zunächst selbst in den Augen der anderen gerecht sein muss. Wir müssen deshalb unser Tun, unseren Besitz und unser Leben in der Kirche überprüfen.“ (DE IUSTITIA IN MUNDO (1971) – Welt-Bischofssynode in Rom)

Jesus von Nazareth ruft uns auf, unsere Nächsten zu lieben wie uns selbst, so zu handeln, dass das Gesetz unseres Handelns für alle gelten kann.

Entgegen ihrer Behauptung, dem Willen Jesu zu folgen, hat sich die Kirchenleitung bisher geweigert, die fundamentalen Menschenrechte in ihr eigenes Gesetz aufzunehmen. Deshalb rufen wir alle Katholikinnen und Katholiken auf, die Einhaltung der Menschenrechte in all ihren Gemeinschaften auf allen Ebenen zu beachten. Dies gilt in besonderer Weise für die Leiter unserer Kirche. Die Rechte müssen schriftlich festgehalten sein und in unabhängigen Gerichten einklagbar sein.

Dies umfasst folgende Rechte:

  1. Vorrang des Gewissens: Jede Katholikin/jeder Katholik hat das Recht und die Verpflichtung, ein gebildetes Gewissen zu entwickeln und in Einklang damit zu handeln.
  2. Recht auf Gleichheit: Alle Katholik*innen müssen gleich behandelt werden. Niemand darf aufgrund von Gender, Nationalität, Rasse, Sprache, Herkunft, sexueller Orientierung, Familienstand, Alter, Besitz, politischer oder theologischer Überzeugungen diskriminiert werden.
  3. Gemeinschaft: : Jede Katholikin/jeder Katholik hat das Recht und die Aufgabe, an einer eucharistischen Gemeinschaft teilzuhaben und hat das Recht auf eine verantwortliche Seelsorge. Alle Katholik*innen sind frei, sich in jeder Form von Gruppen und Gemeinschaften der Kirche zu organisieren, einschließlich Gewerkschaften. Sie haben das Recht, an den Versammlungen solcher Gemeinschaften teilzunehmen und dafür Räume und Gebäude der Kirche, einschließlich sakraler Räume, zu benützen. Dieses Recht mag in Einzelfällen eingeschränkt werden, muss aber in jedem Fall begründet werden.
  4. Allgemeines Priestertum: Jede Katholikin/jeder Katholik hat das Recht und die Verpflichtung, die Frohe Botschaft zu verkünden und mit ihrer/seiner Begabungen und Charismen Aufgaben und Ämter in der Seelsorge zu übernehmen.
  5. Meinungsfreiheit: Alle Katholik*innen haben das Recht zur freien Meinungsäußerung, einschließlich des Widerspruchs. Das beinhaltet die Freiheit der Wissenschaft, im Besonderen der theologischen Forschung und von Veröffentlichungen, wie auch die künstlerische Freiheit. Dabei ist der Würde und der Rechte der Anderen Rechnung zu tragen.
  6. Information: Alle Katholik*innen haben das Recht auf umfassende Information, außer wo es berechtigte Bedenken bezüglich Vertraulichkeit, Privatsphäre und des Ansehens der Person gibt.
  7. Sakramente: Alle Katholik*innen sind für ihr sakramentales Leben verantwortlich. Sie haben das Recht und die Verantwortung, am sakramentalen und liturgischen Leben der Kirche teilzuhaben.
  8. Familienstand: Alle Gläubigen haben das Recht auf freie Wahl des Familienstandes.
  9. Ansehen: Alle Katholik*innen haben Anspruch darauf, dass ihr guter Ruf gewährleistet bleibt. Das beinhaltet das Recht auf einen fairen Prozess.
  10. Governance: Alle Katholik*innen und ihre örtlichen Gemeinschaften haben das Recht auf direkte Teilnahme an Entscheidungsprozessen, inklusive der Wahl ihrer Leitungspersonen. Auf allen organisatorischen Ebenen müssen Institutionen geschaffen werden, welche die Prinzipien der guten Leitung beobachten und kontrollieren. Dazu braucht es Gewaltenteilung in Exekutive, Legislative und Judikative, begrenzte Amtszeiten, gegenseitige Kontrolle, Rechenschaftspflicht der Amtsträger*innen, Subsidiarität, Synodalität und, soweit möglich, Konsens in Entscheidungen.
  11. Soziale Gerechtigkeit: Jede Katholikin/jeder Katholik hat das Recht und die Verpflichtung, sich für soziale Gerechtigkeit in der Welt im Großen wie auch innerhalb der Gemeindestrukturen der Kirche einzusetzen.
  12. Teilhabe: Jede Katholikin/jeder Katholik und ihre jeweiligen Gemeinschaften haben das Recht

und die Verpflichtung, ihre Erkenntnisse bezüglich der Bibel und der christlichen Tradition zu teilen und sich an der Weiterentwicklung der theologischen Forschung und religiöser Erziehung zu beteiligen.

  1. Fairer Prozess: Katholiken und Katholikinnen, die einer kirchlichen Straftat beschuldigt werden, haben das Recht auf einen gerechten und transparenten Prozess. Verfahren müssen öffentlich und von unabhängigen Richter*innen geführt werden in der Sprache der/der Beschuldigten. Jede Person hat das Recht auf juristischen Beistand. Dieser hat das Recht auf Akteneinsicht.
  2. Kinder: Ihnen steht eine adäquate religiöse Erziehung zu und das Recht auf kindgemäße Feiern. Sie sind über ihre Rechte ausreichend zu informieren. Kinder haben das Recht auf Sicherheit, speziell Schutz vor Gewalt und sexuellem Missbrauch. Im Falle von Übergriffen ist ihnen Wiedergutmachung zu leisten.
  3. Freiheit, die Kirche zu verlassen: Alle Katholiken und Katholikinnen haben das Recht, die Kirche ohne Beeinträchtigung ihres Ansehens zu verlassen.

 

Zur Unterstreichung dieser Rechte sollte der Vatikan die Deklaration der Menschenrechte unterschreiben und sich für deren weltweite Umsetzung verstärkt einsetzen.

 

 

Wir rufen alle Gläubigen auf, sich für die Einführung und Unterstützung dieser fundamentalen Rechte in der Kirche auf allen Ebenen einzusetzen. Dies beginnt in unseren jeweilig eigenen Gruppen und Pfarreien und möge sich in der Hierarchie der Kirche fortsetzen. Dies wird dazu beitragen, dass die Körpersprache der Kirche als Leib Christi wieder klarer die Botschaft eines liebenden und gerechten Gottes wiedergibt.

 

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